12

Choral

für Stimme und fünf Instrumente
1991 | Dauer: 8'

Kompositionsauftrag der Stadt Schwäbisch Gmünd
Sopran, Harfe, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass
Text: Dieter Schlesak
UA: Johanniskirche Schwäbisch Gmünd | 24. August 1991
Sinfonietta Tübingen, Stefan Blunier

Choral: Inbegriff des Religiösen, Erhabenen, Feierlichen und Archaischen … – Aus verschiedenen Perspektiven (Historie, Aura, Material, Kompositionstechnik usw.) wendet sich meine Musik dem zu, was vielleicht heute unter einer geistlichen Musik verstanden bzw. nicht verstanden werden könnte. Ich habe Choral 1991 für das Schwäbisch Gmünder »Festival Europäische Kirchenmusik« komponiert.

  • CD Musica sacra nova II. SDR SACD 9027-3. 1992.
  • CD Michael Reudenbach. Szenen, Standbilder. Werke 1991–2009. Edition RZ Berlin, Reihe »Parallèle«. 2013.
  • Arpad Dobriban. In aller Stille. 16-mm-Film. 1992.

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23

Noch nicht – Nicht mehr

für Stimmen und Zuspiel-CD
1998, revidiert 2014 | Dauer: 13'

Kompositionsauftrag des Vocalensemble Kassel
Sopran 1 – 3, Alt 1 – 4, Tenor 1 – 3, Bass 1 – 3 (ein- oder mehrfach besetzt)
Text: Vilém Flusser
UA: Martinskirche Kassel | 13. Juni 1998
Vocalensemble Kassel, Hans Darmstadt

»Trotzdem: Wenn auch zu letztlichem Scheitern verurteilt, so wie die Weisen und Wissenschaftler, sind wir dennoch fähig, mit unserem eigenen Scheitern zu spielen.« (Vilém Flusser)

Vielleicht hat der in diesem Satz formulierte Widerspruch mich zu einer Partitur geführt, in »der Zufall sich zufällig in Absicht umstülpen« könnte. Folglich ist die Rolle der Sänger ungewiss und die klangliche Realisation von Noch nicht – Nicht mehr weniger in einer strikten Befolgung des Notentextes zu suchen. Nachzugehen ist vielmehr dem leuchtenden Klangreichtum der menschlichen Stimme. Zu finden, auszuwählen und auszuschöpfen sind die vielfältigen individuellen Ausdrucksmöglichkeiten von *** über Atem, Luftgeräusch, ..., Flüstern, Sprechen bis hin zu Summen und Singen. Dabei ist nicht das Absolute als vielmehr das Da-Zwischen zu suchen und das in einem zwar nicht unbekannten aber wechselhaften, unbeständig-klingendem Umfeld. Ich habe Noch nicht – Nicht mehr 1998 für die Kasseler Musiktage »Visionen gegen die Zeit« komponiert.

Partitur in Überarbeitung

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27

Abdruck

für 5 Sprecher, 41 Instrumentalisten und Zupiel-CD
2000-01 | Dauer: 13'

Kompositionsauftrag des hr Frankfurt am Main
5 Spr. – 2.0.3.2. – 0.2.2.1. – 0.3. – Hrf. Klav. – Str.: 0.0.10.8.6
Text: Rainer Maria Rilke
UA: Sendesaal des Hessischen Rundfunks Frankfurt am Main | 9. März 2001
Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt, Sian Edwards

Gedanklicher Ausgangspunkt von Abdruck war, ein Stück zu schreiben, das sowohl die Möglichkeiten als auch die Unmöglichkeiten eines Orchesterapparates thematisiert. In dieser Situation zeigt sich das widersprüchliche Bild des Abdrucks: die Berührung mit dem Ursprung (der Fuß, der sich im Sand eindrückt) und der Verlust des Ursprungs (die Abwesenheit des Fußes in seinem Abdruck). Was klingt, versteht sich als beides: einerseits die Konzentration auf einzelne, wenige Klänge und Geräusche und andererseits deren Abwesenheit im alles überflutenden, ständig zunehmenden Krachpegel unserer Umwelt. Während meiner Arbeit an Abdruck fiel mir zufällig ein Ausstellungskatalog mit den »Wandabnahmen« von Dorothee von Windheim in die Hände. Dort fand ich ihren Hinweis auf die in meinem Stück verwendete »Mauerpassage« aus Rainer Maria Rilkes Tagebuchroman »Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge«.

  • Konzertmitschnitte hr 2001 und SWR 2006.
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28

kommen – Überschreibungen für 5 Stimmen


2001 | Dauer: 13'

Kompositionsauftrag der Schola Heidelberg
Sopran, Mezzosopran, Alt, Tenor, Bass
Text: Emma H., Prinzhorn-Sammlung Heidelberg
UA: Prinzhorn-Museum Heidelberg | 13. September 2001
Schola Heidelberg, Walter Nußbaum

1909 schreibt die an Schizophrenie und Katatonie erkrankte Emma H. mehrere Briefe an ihren Mann und fordert ihn auf, sie aus der Psychiatrischen Anstalt herauszuholen. In mehreren Kolonnen notiert sie mit Bleistift in winziger Schrift mehrfach übereinander nur einzelne Wörter (»kommen«, »komm« oder »Herzensschatzi komm«, …), die nun kaum mehr entziffert werden können, aber in ihrer Variation von Dichte und Helligkeit eine geradezu plastische Sogwirkung entfalten. Alles was in meinem Stück klingt, ist auf unterschiedliche Weise diesen obsessiven Überschreibungen von Emma H. verbunden. Dabei geht es mir nicht um eine expressive Interpretation dieser unmittelbar berührenden Ausgangssituation, vielmehr habe ich bewusst versucht diese zu umgehen, sie zu modulieren, um dann in Bereiche vorzustoßen, die nicht mehr unter einem unmittelbaren Ausdruck zu subsumieren sind. Ich habe kommen – Überschreibungen für 5 Stimmen für ein Konzert zur Museumseröffnung der Heidelberger Prinzhorn-Sammlung komponiert.

  • CD Michael Reudenbach. Szenen, Standbilder. Werke 1991–2009. Edition RZ Berlin, Reihe »Parallèle«. 2013.

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37

Madrigal

für Ensemble
2005-06 | Dauer: 14'

Kompositionsauftrag der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Sopran, Bassflöte, Baritonoboe, Kontrabassklarinette,
Große Trommel, Klavier, Violine, Viola, Violoncello
Text: Antonio Tabucchi
UA: Orangerie Darmstadt | 6. August 2006
Petra Hoffmann, Ensemble recherche

Allgemein könnte man formulieren, dass der Akt des Musikhörens stets ein Akt permanenten Erinnerns ist, da klingende Musik Vergehen selbst ist und im Moment des Erklingens sich Vergangenes und Zukünftiges als Gegenwart verknüpfen. Während der Arbeit an Madrigal suchte ich aber nach musikalisch-kompositorischen Möglichkeiten, die über den grundsätzlichen Erinnerungsakt im Musikhören hinaus Gedächtnisbilder auslösen können. Mein Stück bezieht und stützt sich dabei auf Antonio Tabucchis Katalogtext »Messaggio dalla penombra« (»Botschaft aus dem Halbdunkel«) zu Bildern seines Malerfreundes Davide Benati. Im Text nähert sich Tabucchi dem kaum mitteilbaren Übergang zwischen »Auge offen/Auge geschlossen« an, also jenem kurzen Augenblick am Rand des Verschwindens und einer damit verbundenen schemenhaften Erinnerung.

  • Konzertmitschnitt SWR 2006.

Partitur in Überarbeitung

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47

5 Raumetüden

für Stimmen
2015-16 | Dauer: 14'

Kompositionsauftrag Klangforum Heidelberg
Alt, 2 Tenöre, 2 Bässe
UA: Tankturm Heidelberg | 26. Februar 2016
Schola Heidelberg, Walter Nußbaum

Die 5 Raumetüden bestehen zu einem wesentlichen Teil aus verbalen Anweisungen. Dabei spielt einerseits der Raum als Raum eine Rolle sowie andererseits die Bedingungen, unter denen Musik in bestimmten Aufführungs- und Hör-Orten gemacht werden kann. Da mich beide Aspekte 2015 mit Blick auf eine noch zu schreibende großformatige Auftragskomposition beschäftigten, sind die Etüden in einem ursprünglichen Wortsinn als »Studien« innerhalb eines kompositorischen Prozesses zu verstehen. Ihre einzelnen Titel (Linie – quer – Modulation – unendlich – Messung) sind eine Mischung aus geometrischen und musikalischen Begriffen. Die 5 Raumetüden habe ich für die Schola Heidelberg zu deren Einzug in ihr neues Domizil Tankturm geschrieben.

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50

Was noch.

für 24 Stimmen mit Texten von Jürgen Becker
2023 | Dauer: 36'

Kompositionsauftrag des SWR für ECLAT – Festival Neue Musik Stuttgart
Sopran 1 – 6, Alt 1 – 6, Tenor 1 – 6, Bass 1 – 6
UA: Theaterhaus Stuttgart | 3. Februar 2024
SWR Vokalensemble Stuttgart, Einstudierung: Michael Alber | Szenografie: Hans-Ulrich Becker

Was noch. ist ein Topografie-Portrait. Es ist beeinflusst von Jürgen Beckers Prosa-Trilogie »Felder / Ränder / Umgebungen«. Aus den 101 losen Felder-Texteinheiten werden im Stück drei in zum Teil gekürzten Textfassungen vorgelesen. Was noch. sind 87 Stationen innerhalb von fünf Text-/Musik-Feldern. In den Feldern beeinflussen, stören oder nicht-beachten sich Text und Musik. Was noch. beschäftigt sich mit verschiedenen Dimensionen von musikalischem Raum und deren vielschichtigen Wechselbeziehungen (der architektonische Raum, in dem eine Musikaufführung stattfindet, der individuelle Hör-Raum, in dem Gedanken und Vorstellungen miteinander verbunden werden, der in ein Stück hineinkomponierte Raum usw.). Was noch. sind unterschiedliche Vokal-Besetzungen von einem Kollektiv- bis zu einem Individualklang, von einem homogen 24-stimmigen Ensemble bis hin zu Stimmgruppen von à 2, à 3 bis à 7. Was noch. sind streng festgelegte Abläufe und rigid reduzierte Ereignisse. Dabei nehmen in den gewählten kompositorischen Verfahren Primzahlen eine bedeutende Rolle ein, also jene Zahlengruppe, in der zwar keine Musterbildung erkennbar aber eine gegliederte Unendlichkeit zu erahnen ist. Was noch. ist der Versuch einer Ortsbestimmung.

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